In einem fantastischen Konzert bei Odeon stellte der Weltklasse-Schlagzeuger Dejan Terzic gemeinsam mit seiner Band "Underground" im Alten E-Werk in Göppingen seine neue CD "Diaspora" vor.
Dejan Terzic ist in Banja Luka im ehemaligen Jugoslawien geboren, in Deutschland aufgewachsen und lebt heute in Bern in der Schweiz. Auf die Bühne im Alten E-Werk kommt ein freundlicher junger Mann im schwarzen Anzug, der in gepflegter Sprache seine Titel ansagt und sich jedes Mal höflich beim Publikum bedankt. Irgendwie hätte man bei einem Weltklassedrummer mehr Selbstdarstellung und weniger gute Manieren erwartet. So facettenreich wie die Person Dejan Terzic ist auch seine Musik.
Gemeinsam mit seiner Band "Underground", die mit dem amerikanischen Saxofonisten Chris Speed, dem New Yorker Gitarristen Brad Shepik, Henning Sieverts am Bass und dem Hamburger Tino Derado am Akkordeon aus einer ganzen Reihe ausgezeichneter Musiker besteht, widmet er sich der Musik seiner Heimat. "Unser Schwerpunkt ist Balkanfolklore", erklärt Terzic. In den meist von Terzic selbst komponierten Stücken ist das aber nicht die Wiedergabe folkloristischer Lieder. Eigentümliche Melodien und dunkle Klangfarben vermischen sich mit deutlich hörbaren Folklore-Elementen, die wiederum von jazzigen Passagen überdeckt werden. Wehmütig und melancholisch klingt das und ist zugleich der Abgesang an eine verlorene Heimat, die es so nie wieder geben wird.
Nicht umsonst hat Terzic die neue CD der Band "Diaspora" genannt. So entsteht eine Musik, die ihre Wurzeln zwar hinsichtlich der Melodien und der Rhythmik unverwechselbar in der Balkanfolklore hat, aus dieser ursprünglichen Musik aber vor allem die Kraft zieht, um zu etwas Neuem zu wachsen.
Ungewöhnlich ist dabei, dass in den meisten Titeln das Schlagzeug über die Rolle der Rhythmusvorgabe hinausgeht. Mit unglaublicher Sensibilität erzeugt Terzic eine Klangfülle, die man von einem Drummer in dieser Art selten zu hören bekommt.
Neben der Liebe zu den Liedern seiner Kindheit ist der Einfluss des Jazz auf Dejan Terzic unüberhörbar. In verschiedenen Improvisationen finden die einzelnen Bandmitglieder ihr Spielfeld, und so überzeugt der Titel "Diaspora" durch schöne Akkordeonpassagen, und Sieverts zeigt mit einem Bass-Solo zu Beginn des Stücks "B-Longing" sein Können. Die meisten Titel des Abends, darunter "The Circus" mit außergewöhnlichem Rhythmus, "Lambtale" und "Hopeful-A-Day", stammen von der neuen CD "Diaspora", die - fast noch druckfrisch - erst seit dem 15. Januar zu haben ist. Mit begeistertem Applaus bedankten sich die rund 50 Besucher für das ungewöhnliche Konzert.





